Eine Artenvielfalt bei heimischen Pflanzen- und Tierarten ist auf Grazer Grünflächen nicht annähernd in dem Ausmaß gegeben, als es mit einem veränderten Ansatz relativ einfach zu ermöglichen wäre. Im Oktober wurde bekanntlich ein Dringlicher Antrag betreffend Sicherstellung von Grünflächen im Stadtgebiet eingebracht, und in diesem Frühjahr soll eine entsprechende Strategie vorgelegt werden.
 
Dies ergibt eine sehr gute Gelegenheit sich der Grünflächen nicht nur im Bereich Quantität sondern auch bezüglich Qualität anzunehmen. Ein Schweizer Projekt – BiodiverCity: Ökologische und sozialwissenschaftliche Aspekte der Natur und der Biodiversität – kann dazu sicherlich gute Ideen liefern. 
Dem steigenden Siedlungsdruck und der beschränkten Verfügbarkeit von Boden wird vermehrt mit verdichtetem Bauen begegnet. Damit die Natur bei der Überbauung und dem Versiegeln von Grünräumen noch eine Chance behält, muss in der Nähe für ökologischen Ersatz und Ausgleich gesorgt werden. Hoher Strukturreichtum der Grünräume ist sowohl für Flora und Fauna wie auch für die Bevölkerung von großem Vorteil. Vor allem Kindern kann durch naturnahe Bereiche neben den Kinderspielplätzen Natur näher gebracht werden.
Die große Artenvielfalt urbaner Lebensräume ergibt sich direkt aus der vielfältigen Natur der Stadt, in der sich auf engem Raum Einfamilienhäuser, Wohnsiedlungen, Geschäftshäuser und Industrieanlagen befinden, welche durch ein Netz aus Schienen, Straßen und Wegen verbunden und in Gärten und andere Grünflächen unterschiedlicher ökologischer Qualität und Größe eingebettet sind. Für die Artenvielfalt in der Stadt sind der Strukturreichtum und das Alter der umgebenden Grünflächen ein entscheidender Faktor. Je strukturreicher und älter eine Wiese ist, desto artenreicher ist sie auch. Nicht unerwartet steigt die Artenzahl mit zunehmendem Grünanteil und der weniger häufigen Pflege der Grünräume an. Sie sinkt umgekehrt mit zunehmender Versiegelung und intensiverer Pflege des Stadtgrüns, wobei häufige Rasenschnitte vor allem die Anzahl der weniger mobilen Arten reduzieren. Das derzeitige Konzept der Bewirtschaftung der Grazer Grünflächen sieht allerdings ein häufiges Mähen von etwa 15-mal im Jahr vor.
Städte wie Linz und vor allem das deutsche Kassel haben diesbezüglich bereits umgelenkt. Durch das Ansähen von natürlichen Blumenwiesen und einer Reduktion des Wiesenschnittes auf etwa drei- bis viermal pro Jahr kann nicht nur Artenvielfalt in der Stadt garantiert werden, sondern es können letztlich auch Kosten durch eine seltener notwendige Mahd eingespart werden. Die Blumenwiesen liefern einen wichtigen Beitrag zur Stadtnatur, zur Artenvielfalt der heimischen Pflanzen und Tiere, denen sie Lebensraum, Nahrung und Schutz bieten. Tiere wie Heuschrecken, Schmetterlinge, Wildbienen, Hummel und viele mehr finden nur hier über Monate einen wichtigen Lebensraum in der Stadt. Hingegen Rasenflächen, die bis zu 15-mal pro Saison kurz gemäht werden, bieten keinerlei Schutz und somit keinerlei Lebensraum. Ränder von Straßen, Radwegen, Gehwegen, Nebenflächen von Straßenzügen, Verkehrsflächen, Vorbehaltsflächen und Teile in schon bestehende, monotone Rasenparkflächen können durch diese Begrünungsform nicht nur optisch, sondern auch ökologisch aufgewertet werden. Das Stadtbild wird freundlicher, positiv verändert und die extrem positive Resonanz der Bürger in Städten wie Kassel oder Linz sind ein Zeichen für den Wandel des Umweltbewusstseins der Bevölkerung und dem Wunsch nach mehr Natur im innerstädtischen Bereich.
 
Ich stelle daher namens des Freiheitlichen Gemeinderatsklubs nachfolgenden
 
 
'''Dringlichen Antrag'''
 
'''Der Gemeinderat wolle beschließen:'''
 
'''Die zuständigen Abteilungen des Magistrates Graz werden beauftragt, im Sinne des Motivenberichtes ein Konzept zu erarbeiten, welches geeignete Grünflächen im Stadtgebiet herausfiltert, und auf diesen eine probeweise Umsetzung der im Motivenbericht geforderten Punkte ermöglicht. Ziel soll es sein, im Grazer Stadtgebiet vermehrt Grünflächen zu halten, die eine größtmögliche Artenvielfalt garantieren.'''